Weihnachten ist für Kinder oft das Highlight des Jahres - Geschenke, Essen, Besuch von Oma und Opa, Aufregung, Vorfreude… Aber in vielen Familien schlägt die Stimmung an Weihnachten schnell um und endet mit Kindertränen und enttäuschten Eltern. Warum ist das so? Und was kann man dagegen tun, damit alle entspannte Feiertage haben?

Warum Kinder an Weihnachten emotional überlaufen
Alles ist anders als sonst
Kinder brauchen Verlässliches. Das ist allen klar. Aber an Weihnachten kommt diese Verlässlichkeit, das Bekannte und die Routinen oft zu kurz. Kita und Schule haben geschlossen, Mama und Papa arbeiten (im besten Fall) nicht, es kommt Besuch und es gibt jeden Tag einen anderen Ablauf… Allein diese Dauerreize reichen oft schon, um Kinder aus dem Tritt zu bringen.
Erwartungen sind für Kinder spürbar
Erwachsene wünschen sich eine entspannte und besinnliche Stimmung. Alles muss passen, das Essen soll rechtzeitig auf dem Tisch stehen und allen schmecken, die Geschenke sollen bitte allen gefallen… Kinder spüren die Anspannung, können sie aber nicht einordnen. Das erzeugt Stress, bevor überhaupt etwas passiert ist.
Reizüberflutung im Dauermodus
Lichter, Musik, Geschenke, Plätzchen. Kaum Pausen. Kaum Rückzug. Der Mittagsschlaf fällt kurz aus. Selbst robuste Kinder kippen irgendwann in die Überregung und das ist völlig normal! Viele Kinder haben in diesen Tagen gar keine Chance, Eindrücke zu sortieren, weil der nächste schon um die Ecke kommt. Ihr Verhalten ist dann kein „Zuviel“, sondern eine natürliche Reaktion auf einen Tag, der ihnen keine Verarbeitungszeit lässt.
Schlaf und Bewegung kippen weg
Wenig draußen, oft zu spät im Bett. Beides macht Kinder nicht nur müde, sondern auch dünnhäutig und impulsiv. Fehlt beides gleichzeitig, rutscht die innere Balance noch schneller weg. Genau deshalb sind Mini-Auszeiten und kurze Bewegungsschleifen oft viel wirksamer als jedes gut gemeinte Beruhigungswort.

Wie man Weihnachten ruhiger für alle bekommt
Weihnachten wird nicht ruhiger, indem man Kinder zurechtweist, sondern indem man den Rahmen des Fests verändert. Entlastung entsteht immer dort, wo man die Luft rauslässt, statt sie reinzupumpen. Wenn man versteht, was Kinder wirklich überfordert, kann man viel leichter an den richtigen Stellen ansetzen. Und genau da beginnt der praktische Teil: kleine, machbare Schritte, die den Feiertagen ein anderes Tempo geben.
1. Die Tage entschlacken
Viele Familien versuchen alles mitzunehmen: Adventsbesuche, Bastelprogramme, Essen hier, Kaffee dort. Kinder jedoch brauchen in dieser Zeit eher die Hälfte als die doppelte Dosis. Weniger Termine machen alle stabiler und schaffen Raum zwischen den Reizen.
2. Kleine, klare Fixpunkte einbauen
Gerade wenn Ferien sind und Besuche und Aufregung anstehen, profitieren Kinder davon, wenn Grundroutinen erhalten bleiben. Kinder entspannen sich, wenn sie wissen: Es gibt einen Rahmen. Es reicht ein Mini-Plan für die Feiertage:
- vormittags kurz raus
- nachmittags eine Ruhepause mit Lesen
- abends ein sanftes Ritual
So bleibt der Tag spürbar geerdet, auch wenn drum herum Chaos stattfindet.
3. Rückzugsorte und Reizpausen erlauben und einplanen
Zwischen Essen, Bescherung, Besuch und Trubel brauchen Kinder echte Pausen. Es ist wichtig, dass sie das Gefühl haben: Ich muss nicht alles mitmachen. Ich verpasse nichts Aufregendes, wenn ich mich eine Weile in Ruhe mit mir selber beschäftige, mich in mein Bett lege und nach einer Weile ausgeruht zurück bin. Das nimmt viel Druck raus. Ein paar entspannte Minuten mit einem Weihnachtsbuch in einer gemütlichen Kuschelecke oder im Hochbett reichen da oft schon aus, damit Kinder runterkommen und den Rest des Tages entspannt mitmachen.

4. Bewegung als Reset nutzen
Es klingt banal, aber ein 10-minütiger Spaziergang um den Block kann Wunder bewirken. Kinder brauchen körperliche Entladung, genauso wie Erwachsene. Manchmal ist diese kleine Pause von Weihnachten Gold wert und Kids können in den Minuten draußen überschüssige Energie abbauen.
5. Erwartungen radikal senken
Nicht für die Kinder - für euch. Der Versuch, alles stimmungsvoll und harmonisch zu machen, erzeugt genau das Gegenteil. Je entspannter die Erwachsenen an Weihnachten sind, desto stabiler sind die Kinder. Ein „gut genug“-Weihnachten ist meistens das beste Weihnachten.
Was wirklich bleibt
Kinder erinnern sich später nicht an die perfekte Deko, das perfektes Essen oder den perfekten Ablauf von Weihnachten. Sie erinnern sich daran, wie sich Weihnachten angefühlt hat. Ob sie Nähe gespürt haben. Ob alle zusammensaßen und eine gute Zeit hatten. Ob Weihnachten nach Plätzchen und Kakao gerochen hat. Ruhige Weihnachten entstehen nicht durch Kontrolle, sondern durch Raum für echte Bedürfnisse. Und ruhig feiern heißt nicht langweilig feiern. Kinder sind eben keine kleinen Erwachsenen. Sie fühlen intensiver, reagieren spontaner und brauchen mehr Pausen. Wenn wir ihnen das ermöglichen, gewinnen wir oft nicht nur Ruhe sondern die besten Erinnerungen.
















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